Ich weiss schon, was Miriam hierzu sagen wird: Zu wenig sperrig! Zu brav! Dabei ist Ben Watt gar nicht soo weit entfernt von ihren derzeitigen Lieblingen. Der Sänger von Everything But The Girl (1982 – 2002) (ihr erinnert euch: Man wünschte sich, “Missing” würde endlich missing gehen) macht auch so was wie Folk-Jazz, schreibt zum Beispiel der “Rolling Stone”, und das tönt ja doch recht kompliziert. Ist es aber nicht. Höchstens ein bisschen melancholisch. Weil: Er verarbeite im neuen Album “Fever Dream” Beziehungen, so Ben Watt in diversen Interviews. Zum Beispiel jene mit der anderen Hälfte von Everything But The Girl, Tracey Thorn, mit der Ben Watt krasse 35 Jahre zusammen ist und (mittlerweile fast erwachsene) Kinder hat. Aber auch zu verstorbenen Familienmitgliedern. Und Freunden.
Gut, und das klingt wie jetzt genau?
- Traurig manchmal. Aber schon nach Aufbruch. Nachdenklich. Herzzerreissend, teilweise. Kurz: So, als ob sich jemand sehr viele Gedanken machen würde, während er “Caught between two fires” ist (das ist das Lied, das ihr hört, wenn ihr brav auf play gedrückt habt oben. Laut Watt – wie könnte es anders sein – ein “End-of-relationship-Song”).
- Nicht nach Midlife-Crisis. Die man ihm verzeihen würde, der Mann ist 53!
- Nach einer famosen Gitarre. Respektive jemandem, der die Gitarre ziemlich im Griff hat, haha (es ist Bernard Butler, Ex-Suede).
- Fast wie keltischer Gesang, und zwar in “New Year Of Grace”, bei dem Marissa Nadler mittut. Solo kommt die allerdings besser zur Geltung:
Dass Marissa Nadler im letzten Song zu hören ist, hat einen Grund: Ben Watt liebt anscheinend ihr “July”-Album, und er suchte eine weibliche Stimme für “Fever Dream”. “I just thought Marissa’s voice would provide the perfect colors, if you like. She’s quite ghostly. She’s quite Gothic, but also very emotional in her singing.” Das hab ich von hier, und es erinnert mich dann doch vage an das – so von wegen Konstellation.
- Wie schläfrige Jazz-Vibes, solche, bei denen man zwar niemals einschlafen würde, aber stundenlang ins Glas starrend zuhören könnte (würde mal sagen, “Fever Dream” ist so ein Song (feat. Hiss Golden Messenger)).
- Anstrengend. Ich denke da vor allem an “Gradually”, und oje, ausgerechnet hier geht es um lange Beziehungen.
BEN WATT: FEVER DREAM, Out: 08.04. (Caroline international)
P.S. Bei “Rolling Stone” gibts ein Pre-Streaming, ich schreibe das erst jetzt, weil ich das blöd finde, aber vor allem, weil ihr sonst den Text nicht gelesen hättet. Apropos: Hat jemand die Bücher von Ben Watt gelesen?
(Bild: Universal Music/Tom Sheehan)