Gastautor Marcel war am Slipknot-Konzert im Hallenstadion. Weil das Mail mit seinem Text im Postausgang hängen blieb, eine etwas verspätete Review.

Letzthin meinte es mein Handy mal wieder gut mit mir: “Hey, ich habe Tix für Slipknot für dich, und du darfst sogar Sozialleben mitnehmen!” Ich so, yeah cool, habe ich sie doch zuletzt 2001 im Volkshaus gesehen. Dieses Mal wollte ich das Konzert aber fertig schauen, damals ging das nicht, weil das Parkhaus vor Konzertschluss schloss.
Mit meinen Brüdern und Domi im Schlepptau ging es also Richtung Zürich Hallenstadion. Vor Ort trafen wir ZKC (ihr erinnert euch, Züri Konzert Connection), der uns und dem restlichen Reisegrüppli die Tickets überreichte. Ich könnte jetzt noch die endlose Eingangsschlange erwähnen. Aber lassen wir das.

Erstaunlich, dass eine Band, die mit solcher Brachialgewalt musiziert, ein Hallenstadion füllen kann. Zumal im Vorprogramm mit Behemoth eine Black-Metal-Band aus Polen spielte. Deren Frontmann Nergal ist bekennender Satanist. Das hindert Nergal allerdings nicht daran, in Polen in der Jury von The Voice of Poland zu sitzen (Dank an meinen Black-Metal-Handy-Chat für den Hinweis).

Schräg links unter uns führte sich Tom G. Warrior, ehemals Sänger von Celtic Frost und jetzt von Tryptichon, das Konzert zu Gemüte (Namedropping ist immer wichtig). Er verschwand am Ende des Auftritts von Behemoth und tauchte zu Slipknot nicht wieder auf.
Es war ein Abend der Gegensätze. In der Pause lief Achtziger-Mucke von Duran Duran und Konsorten. Mein DJ-Bruder erkannte ABC. Kennt jemand auf Anhieb ihren Hit? Kennt die überhaupt jemand? Dann Gratulation. Währenddessen wurde auf den Leinwänden fleissig Werbung für den bandeigenen Whiskey sowie für eine Kreuzfahrtreise mit Slipknot gemacht. Für diese kann man sogar einen Ratenplan für das Bezahlen abschliessen. Moderne Zeiten.

Slipknot machten dann keine Gefangenen. Sie starteten mit dem melodischen “Unsainted”. Corey Taylor, der, wenn auf der Boxe am Bühnenrand stand, nur knapp grösser war als seine Gitarristen, hielt mit seiner Stimme das Ganze zusammen. Der eine DJ der Band sah mit seiner Kapuze aus wie die Hauptfigur aus “Die Legende von Zelda”.

Das Publikum machte vom ersten Ton an auf Party. Ich habe lange kein so feierndes Publikum erlebt. Dafür muss man heutzutage an ein Hip-Hop-Konzert (Ja, ich weiss, ist so.) Wir genossen das Konzert und nutzten die Chance, bei “Wait and Bleed” mitzusingen (also wir Gebrüder. Domi ist irgendwie verschwunden). Slipknot zeigten, dass sie eine der wenigen Rockbands sind, die den Hip-Hop-Stars in Sachen Stimmung und Sound etwas entgegenzusetzen haben.

Aber auch dieses Konzert konnte ich nicht bis am Schluss gucken, denn aufgrund des (zu) späten Anfangs mussten wir vor der Zugabe gehen, um den Zug ins Mittelland zu erreichen.

GUESTLIST: Gastautor Marcel brauchen wir wohl nicht mehr gross vorzustellen. Er ist Rockette Man. Also liiert mit einer der Rocketten. ❤ Ansonsten ziemlich selbstständig, vor allem wenn es darum geht, Reisegruppen für Konzerte zusammenzustellen, an die sonst kein Gruppenmitglied gegangen wäre.
(Bilder: Rockette Domi)