Zugegeben, das Ganze gehört schon ein wenig in die Eso-Ecke. Aber he! Räucherstäbli riechen besser als kalter Raclette-Gestank und eine Lektion in Tantra hat noch niemandem geschadet. Also, wieso nicht zwischendurch was Neues probieren und beispielsweise nach Feierabend statt des neuen Lieblingssounds (Niki & the Dove) „Music for Cats“ in die Anlage schieben?
Da es ja jetzt wieder früher dunkel und schneller kalt wird, liegen unsere beiden Kater öfters phlegmatisch in der Stube und warten darauf, dass wir etwas mit ihnen/für sie/wegen ihnen tun. Eine WC-Rolle ins Zimmer werfen zum Beispiel. Oder viele Plastikröhrli ineinanderstecken, die sie dann eins ums andere zerkauen. Oder wir ersäufen eine ihrer zerfetzten Fellmäuse in einem Becken mit Wasser (das finden sie ganz toll). Oder aber wir spielen „Faxito“: Papier unterm Türspalt zur Hälfte durchschieben und warten, bis die Pfote sich das Stück krallt. Wir verrecken auch nach Jahren noch vor Lachen ab diesem Bild, wenn das Papier wie ein Fax verschwindet – so weit sind wir also schon mit unserer Katzenliebe. Jedenfalls: Passiert nichts dergleichen, gehen sich die beiden auch gerne an die Gurgel.
Der Fight war an diesem Herbstabend gerade over, jeder lag in seiner Ecke im Ring und beäugte den anderen misstrauisch. Mein Moment, denke ich, und drücke auf Play. Ein Knacken ertönt, als würde ein Eichhörnli ein Nüssli zerbeissen. Vögeli fiepen, als würde ihre Mutter grad mit einem riesigen Wurm im Schnabel daherfliegen. Dann plötzlich Celloklänge. Und abstraktes, tiefes, zufriedenes Katzenschnurren. Irgendwann klingt es nach Pink Floyd in Zabriskie Point – wirr, bekifft, wolkig. Jedenfalls bleibt Pippo (Filippo, 1,5 Jahre, getigert) wie paralysiert stehen. Sucht dann das Eichhörnchen, das Vögeli, die fremde Katze. Bis er schnallt: Da ist nix, sich entspannt wieder hinlegt und zuhört. Charly (Charles, 4, schwarz), gähnt. Scheint die Augen zu verdrehen. Genervt rückt ein bisschen näher zum Kollegen, weil er Lust auf eine weitere Provokation hat. Das Katzenkonzert scheint ihm im Gegensatz zu Pippo völlig am Popo vorbeizugehen.
David Teie, amerikanischer Cellist und Musikforscher an der Universität von Maryland, ist der Schöpfer von “Music for Cats”. Universal Music hat die 4-CD-Box vor wenigen Wochen herausgebracht, als “first major label to release an album that is not for human consumption”. Teie betont die Ernsthaftigkeit des Projektes. Viele würden das Ganze als verrückten Witz abtun, doch seien Katzen ein anspruchsvolles Publikum. Und verrückt sei eigentlich nur, sagt der Forscher, zu denken, Musik sei nur für Menschen gemacht.
Plötzlich ein schriller Pfeifton. Der kommt nicht aus den Boxen. Charly ist auf sein Stofftier getreten. Extra. Um Pippo aus dem Meditationsmodus zu holen. Und uns, die wir bei der ganzen Analyse tatsächlich etwas schwammig geworden sind. Fazit des Experimentes: Es hat mehr als zur Hälfte funktioniert. Ein Kater und zwei Menschen sind an einem stürmischen Herbstabend zur Ruhe gekommen. Vielleicht hat auch das Räucherstäbli geholfen. Oder der mit Käse gefüllte Magen. Oder?