Ich rannte sofort los, zur Tankstelle, holte die teuerste Flasche Champagner und die fetteste Zigarre, rannte zurück, zog mein allerschönstes Kleid an und las den Facebook-Post noch einmal: Robert de Niro ♥♥♥, Nils Frahm ♥♥♥ und Woodkid ♥♥♥ haben gemeinsame Sache gemacht – das muss ich feiern! Und nun sitz ich da in meinem Glitzerfetzen, der Korken ist noch immer drin, die Zigarre find ich eh gruusig und mir laufen die Tränen die Wangen runter. Ich habe mir “Ellis”, den Kurzfilm des französischen Künstlers JR mit Hollywoods allerbestem Schauspieler Robert De Niro und Filmmusik von Woodkid und Nils Frahm angesehen. Er ist kurz aber oho.
“Ellis” ist nicht nur ein magischer, er ist ein wichtiger, weil sehr aktueller Film. Innerhalb von 13 Minuten bringt Robert De Niro am Beispiel illegaler Einwanderer in die USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ganze sogenannte Flüchtlingsproblematik auf den Punkt. Er erzählt von Menschen, die einen Wasserstreifen entfernt von einem besseren Leben stehen und nicht hinkommen, weil andere es ihnen verbieten. Von Menschen, die es trotzdem versuchen und ein neues Leben in Angriff nehmen können – und von solchen, die nie ankommen. Er sei der Geist all jener, die es nicht schaffen, sagt de Niro.
Jeder kann, jeder soll sich den Film anschauen – er kursiert schon seit einiger Zeit im Internet und ist gratis auf iTunes zu sehen. Er ist wunderschön im künstlerischen Sinne und tief ergreifend. Ein Musterbeispiel dafür, was Film, Kunst, Text und Musik mit unseren abgehärteten, reizüberfluteten, verstörten, ignoranten, orientierungslosen, harmoniebedürftigen, verlorenen Seelen anstellen kann. Bald erscheint der Soundtrack zu diesem kleinen, feinen Meisterwerk. Jetzt weine ich vor Glück.
NILS FRAHM & WOODKID: “ELLIS”, out 08.07. (Erased Tapes Records), die Einnahmen gehen an Sea Watch.
(Bild: www.ellis-themovie.com)