Nic Gyalson kennenzulernen heisst, den Zusammenhang zwischen dem Himalaya und seinem Debütalbum “Alluvision” herzustellen. Das ist zu schaffen.
Was mir einleuchtet, sind beispielsweise die psychedelischen, die technoiden Elemente, die schon sehr leicht mit der Eiseskälte des Königreiches Ladakh assoziiert werden können. In diesem Tal zwischen Himalaya und sonst einer Kette hat der Tessiner während Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm einen grossen Teil seiner Inspiration gefunden. Songs wie “Golden Goose” oder “Affordable” klingen nach einem Marsch durch eine rauhe Landschaft, bei dem es vor allem darum geht, ohne allzu rissige Lippen an irgendein Ziel zu kommen. Einerseits. Aber eben auch danach, Gedanken nachzuhängen, auf die man unweigerlich kommt, sobald es vor dem äusseren Auge kein Blüemli, kein Häuschen, kein Schischi, rein gar nichts zu sehen gibt. Ausser Kargheit.
Manchmal äussern sich die Himalayschen Eindrücke auf “Alluvision” auch einfach in Form einer hochstilisierten Kurzatmigkeit, die man dann selbstverständlich auch in einen anderen Kontext bringen kann – wie im Video zu “Amber & Diamonds” deutlich wird.
Und da merkt man dann eben auch, dass Nic Gyalson die Tessiner Sonne im Herzen trägt. “Vacuum” etwa ist ein bluesiger Instrumentalsong (wenn man von der computerverzerrten Stimme mal absieht). Mehr noch “Someone Stole My Life“, ein Titel, mit dem sich selbst im kältesten Höchstgebirge ein saftiges Wildwest-Kaktüschen ziehen liesse.
Ich möchte an der Stelle betonen, dass mir das seit einiger Zeit ziemlich penetrante Durchdrücken des 60er-Jahre-Psychedelic-Rock-Shizzles ganz schön auf den Senkel geht. Aber am Ende lass ich immer mit mir reden, mir mein Bewusstsein erweitern – und Nic Gyalson hat mich mit seinem abgefahrenen Himalaya-Blues-Album sogar so weit gebracht, dass ich mir wünsche, nächstes Mal als seine rechte Gehirnhälfte wiedergeboren zu werden.
NIC GYALSON: “ALLUVISION”, out (TouchTime Records)
(Pressebild)