Paulas Perle

Komisch, dass ich so selten über Paula Cole rede. Denn denken tu ich hin und wieder an die weichgesichtige Frau, die 1997 aus dem Nichts auftauchte, ihr grossartiges zweites Album “This Fire” ablieferte und bald darauf wieder in der Versenkung verschwand.

Dass Cole im Popzirkus keinen Bestand haben würde, war klar. Sie kam von der Jazz- , der Improvisationsecke her, ihre Songs waren stets mutiger, schräger, aber auch unbequemer als jene von Toni Braxton, Celine Dion, den Spice Girls, die in dieser Zeit Hochkonjunktur hatten. Und sie trug diese langen, schweissverklebten Haare unter den Armen, das fuhr in den cleanen Endneunzigern natürlich schräg ein.

Trotzdem tat die Industrie alles, um Paula Cole die Glitzerwelt schmackhaft zu machen. 1998 ehrte sie sie mit einem Grammy in der Kategorie “Best New Artist”, liess sie an den beliebtesten Locations der Welt auftreten und lud sie in die renommiertesten TV-Shows ein. Natürlich wollte man der Künstlerin noch mehr so Wohlklingendes und verhältnismässig Angepasstes abschröpfen wie die Titel “I Don’t Want To Wait” (wurde  Titelsong der Serie “Dawsons Creek”) und “Feelin’ Love”  (kam auf den Soundtrack des Kinofilms “City of Angels”).

“A strange, amazing time” sei das gewesen, erinnerte sich die bald 50-Jährige vor ein paar Jahren in einem Interview. Dass diese begrenzt war, wurde ihr spätestens dann klar, als ihr “Entertainment Weekly” nach den Grammys den Achselhaarbusch wegretuschierte. Das 99er Album “Amen” floppte. Und Paula Cole, die es bis heute falsch findet, im Leben nur eine Sache zu machen, gründete eine Familie und kehrte erst acht Jahre später mit neuer Musik zurück. Aber eben: Davon bekam nur noch der Kreis ihrer treusten Fans etwas mit.

Es gibt keinen speziellen Anlass, sich gerade heute an “The Fire” zu erinnern. Aber es ist eine Freude! Und immerhin hält sich dieses zauberhafte, mystische, liebe, böse, feine, ebenso schmerzvolle Album seit fast 20 Jahren in der Lieblingsabteilung meiner CD-Sammlung – was sonst bloss “Risin’ High” von den H-Blockx geschafft hat.

Nein, es gibt keinen wirklichen Grund, sich gerade heute wieder an diesem Werk zu erfreuen. Aber es ist ein schönes “Hello” an alle, die es soweit haben kommen lassen, dass Adeles kacklangweiliges Album “25” an den Swiss Music Awards einen Klotz gewonnen hat (diese Bemerkung irgendwo unterbringen: ).

PAULA COLE, “THIS FIRE”, Imago Recording Company

(Bild: Paula Cole)

 

 

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