
Inch. Das ist eines dieser Wörter, die man intuitiv falsch liest, bevor man sich korrigiert und sie richtig ausspricht. Intsch. In einem nächsten Schritt wissen wohl wenige, dass in Irland drei Dörfer so heissen und hoffentlich viele, dass der Begriff etwas mit Mass zu tun hat. Dann hörts auf.
1 Inch ist ein Zoll ist eine Längeneinheit sind 2,54 Zentimeter.
12 Inches, das sind ein Fuss, one foot. Aber wir sind hier bei Rockette! Und nicht auf einem Do-it-yourself-Bastelportal oder Nerdblog. Also sind 12 Inches vielmehr tausende von Füssen than one foot, tanzende Füsse, ein elektrisierter DJ in einem dampfenden Schuppen in den 80ern und all seine Platten, sorry, seine Maxi-Singles, 12″ eben.
Die 12-Inch-Single ist ein Typ von Schallplatte, die den Typen hinter den Plattentellern und der Traube auf der Tanzfläche die Schleusen zu ekstatischen Nächten öffnete. Auf einer Seite hatten rund 16 Minuten Musik Platz, da wurden dann ein bis zwei Songs in bester Qualität draufgepresst. Ja, 8 Minuten und länger dauert ein und dasselbe Stück auf einer Maxi-Single, unvorstellbar für die heutige Zeit, wo die Freude meist nach 3 Minuten abgemurkst wird, schwups, mitten im Vorspiel ist fertig. Alte Meisterwerke werden brutal seziert, die Höhepunkte amputiert, bei Marillions “Kayleigh” zum Beispiel ist das orgasmische Solo in der Radioversion irgendwo im akustischen Nirvana verschwunden.
Bei den 12″-Versionen ist das Gegenteil der Fall. Das ursprüngliche Stück wurde üppig angereichert und in seiner Länge locker verdoppelt durch all die Tricks und Gägs, die Cutter und Freaks aus ihrem Fundus zauberten. E-Drums. Glockenklänge. Industrielärm. Echo-Effekte. Das wichtigste Instrument: der Synthesizer. Es zwitschert und rasselt und kesselt minutenlang bei 12″, bevor der eigentliche Akt beginnt, dann nochmals dazwischen, ein euphorisch gezündetes Feuerwerk an frisch entdeckten Effekten, bevor der schweisstreibende Endspurt folgt. Und alle haben mitgemacht, von David Bowie über Depeche Mode oder Madonna und A-ha haben diese Extended Versions, Classic Cuts oder Dance Classics produziert. Die meistverkaufte war “Blue Monday” von New Order, über eine Million Mal ging die 12″-Single von 1983 über den Tisch.
Diese effektgeschwängerten Mixes der Megahits waren ein markantes und lautes Statement der 80er wie auch die Föhnfrisuren, Leopardenprints oder Neonfarben. In regelmässigen Abständen feiert die Dekade modisch wie musikalisch ihr Comeback. 80s-Partys eignen sich übrigens hervorragend für all jene, die sich mal wieder das Gesamtpaket reinziehen und ihre Knochen für den Frühling wachschütteln wollen. Im Dunst der Nebelmaschine, im Funkenregen, im Rhythmus dieser langen, langen Lieder.
(Bild: privat)