Setzt euch, bitte!

Musik einlegen, Lautstärke aufdrehen, absitzen, sich Zeit nehmen: Das raten Inside The Baxter Building all jenen, die gerade das Booklet ihres Debütalbums “Seldom Somber” aufgeklappt haben, in einem “Warning” auf der Innenseite. Bubi, wenn man bedenkt, dass die grösste Herausforderung, das Sichöffnen für Improvisations-Jazz, zu diesem Zeitpunkt bereits gemeistert ist.

Nur leider habe ich gerade überhaupt keine Zeit, mich im Sessel zu fläzen und die experimentierfreudigen Berner gottergeben an meinem vermainstreamten Musikgehör herumfuhrwerken zu lassen. Ich muss joggen, solange es nur nieselt. Und es wird mir ja wohl keins putzen, wenn ich die Warnung ignoriere und mir “die elektronische Echtzeitmusik”, wie sie in den Presseunterlagen beschrieben wird, unterwegs anhöre.

Creepy ist es, mit diesem Sound im Ohr der Aare entlang zu laufen. Denn die Bäume biegen sich langsam auf den Gehweg herunter, als wollten sie mir den Weg abschneiden, um mich zuzuwuchern. Ich fuchtle wild mit meinen Armen. “Don’t Kill it Before it’s Dead”.

Irgendwo tropft etwas. Das ist bestimmt das Blut der Viecher, die mir aus dem Geäst zuzwitschern, oder winseln? Die mich fressen wollen. Ganz unheimlich auch mein eigener Atem, durch den Druck des Kopfhörers besonders laut. “Trapped”.

Zurück in der bevölkerten Altstadt ist die Stimmung nicht besser. Die Menschen reden alle tonlos, dazu noch immer mein Schnaufen, die ducken sich, wenn ich mich nähere.“Seldom Somber”.

Dann, in meinem building, bei einem Glas Wasser, lese ich noch einmal den Warnhinweis im Booklet. Der macht schon Sinn. Wer solch hochraffinierte Geräuschbasteleien schätzt und geniessen will, muss seine Ohren frei halten, seinen Körper und den Geist entspannt. Muss offen sein für jedes Knistern, Rascheln, Klingen, nach-irgendwas-Tönen, komme es nun von den Musikern selbst, die mit akustischen Instrumenten wie Trompete oder Posaune und elektronischen Effekten ihre eigene Klangwelt schaffen. Oder ganz spontan, von irgendwo sonst, sich ganz selbstverständlich in das Hörspektakel einfügend. Wie das plötzliche Geräusch der WC-Spülung zu “Duididi” etwa. Oder das Miauen der hungrigen Katze zu “Hear Me”.

Achtung! Keine Angst vor dem Baxter Building. Da ist es unterhaltsam, schräg und ja, stimmig – wenn man sich an die Hausregeln hält.

INSIDE THE BAXTER BUILDING: „SELDOM SOMBER “ Out (morpheus records)

Konzerte: 02.04.2016, Uhl & Olf, Zürich, 07.04., Dr Seltsam, Leipzig, 09.04., Specialgalerie Peppi Guggenheim, Berlin, 22.04., ONO – Das Kulturlokal, Bern

(Bild: Pressefoto)

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